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Heutzutage versuchen wir den Karpfen mit allen uns
zu Verfügung stehenden Mitteln nachzustellen. Es
werden die modernsten Ricks verwendet und eine
schier unversiegbare Quelle an verschiedensten
Flavour; Appetitanregern und Amino-Produkten
eingesetzt um zum Erfolg zu gelangen. Unzählige
Stunden verbringen wir am Wasser und studieren die
Fische und deren Umgebung um uns wieder einmal einen
kleinen Vorteil zu verschaffen, der es uns
ermöglicht eine unseren doch so heiß geliebten
Cipros auf die Abhakmatte zu legen. Mit diesem
Beitrag möchte ich den Karpfen einmal aus einer
anderen Sichtweise betrachten und habe aus diesem
Grunde Hintergrundinformationen über den Karpfen an
sich zusammengetragen. Im Jahre 1758 gab der
schwedische Naturforscher „Carl von Linne“ den
Karpfen den wissenschaftlichen Namen „Cyprinus
Carpio“ den er aus dem Beinnahmen (kypris) der
Griechischen Liebesgöttin Aphrodite abgeleitet hat
und auf die Fruchtbarkeit der Karpfen anspielen soll
(Karpfen produzieren je nach Größe bis zu 1.000.000
Eier). Die Herkunft des Karpfen ist bis heute nicht
100 % nachgewiesen worden, doch man geht davon aus,
dass er ursprünglich aus den wärmeren Regionen
Chinas, Japans, Mittel- und Kleinasien so wie den
Einzugsgebiet des Kaspischen und Schwarzen Meer
stammt. Die natürliche Verbreitung des Karpfen in
Europa hat ihren Ursprung im Donausystem. In England
wurde er 1514 (so belegen es alte Schriften) von
„Leonard Mascal“ eingeführt, und galt von da ab als
beliebter Speisefisch. Auch schon die alten Griechen
und Römer kannten ihn und hielten ihn in Teichen,
doch von einer Zucht im eigentlichen Sinn konnte man
noch nicht sprechen. Mittlerweile hat sich der
Karpfen in fast jeden Winkeln unserer Erde
verbreitet, selbst in den USA, Kanada, Südafrika,
Ägypten und Indien sind die Besatzversuche mit
Karpfen erfolgreich gewesen. Diese ist auf Grund der
hohen Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit
der Fische möglich gewesen. Karpfen tolerieren
selbst niedrige pH-Werte von 5 genauso gut wie hohe
pH-Werte um 10. Diese hohe Widerstandsfähigkeit
sorgte dafür, das sie sich in einigen Gewässern
explosionsartig vermehrten und zur Plage wurden. In
Australien gilt sogar bis heutet ein gesetzliches
Zucht- und Einfuhrverbot für Karpfen!!! Die ersten
Menschen die den Karpfen züchteten sind wohl die
Chinesen gewesen. Angeblich haben sie sich schon 500
Jahre vor Christus mit der Karpfenzucht befasst. In
Europa sind die ersten Karpfen wohl durch Karl des
Großen gezüchtet worden, der um 800 auf seinen
Landgütern Zuchtteiche anlegen lies. Ein richtigen
Boom erlebte die Karpfenzucht im frühen Mittelalter.
Die Mönche des Christentums züchteten in ihren
Klöstern Wildkarpfen, damit sie an ihren über 100
Fastenstage im Jahr mit Fisch versorgt waren. Es ist
diesen Mönchen zu verdanken, dass wir heute die uns
bekannten Zuchtformen des Karpfen haben.
Wie bei allen
Tieren die durch den Menschen domestiziert wurden so
ist auch beim Karpfen die züchterische Manipulation
nicht zu übersehen. Verglichen mit den Zuchtformen
sieht der Wildkarpfen mit seiner langgestreckten
Körperform wie ein echter Kämpfer aus. Der ganze
Körper ist vollständig mit Schuppen bedeckt, und es
fehlt der so typische Höcker hinter den Kopf, der
bei der gezüchteten Karpfen fast immer vorhanden
ist. Sein Gewicht überschreitet nur selten die 5 kg
Marke, aus diesem Grund wurden die uns heute
bekannte Form des Karpfen domestiziert, schließlich
erreichen die Zuchtformen erheblich höhere Gewichte
als die Wildform Das erste markante Merkmal eines
Zuchtkarpfen ist der bereits erwähnte Höcker direkt
hinter dem Kopf. Dieses läßt den Fisch sofort etwas
gedrungen erscheinen, im Extremfall spricht man hier
auch von Tellerkarpfen. Diese Zuchtform werden als
“Aischgründer Karpfen“ oder “Galizischer Karpfen“
bezeichnet, wohingegen die gestreckten Arten als
Fränkisch; Lausitzer oder Böhmischer Karpfen
bezeichnet werden. Die meisten „Stämme“ sind je doch
heute in ihrer reinen Form kaum noch zu finden. Die
charakteristische lange Rückenflosse mit ihren bis
zu 26 stützenden Strahlen ist unter den Weißfischen
nur beim Karpfen zu finden. Dicht hinter den
Kiemendeckel befinden sich die Brustflossen, diese
reichen nicht ganz bis zum Ansatz der Bauchflossen.
Die Afterflosse steht im gestreckten Zustand relativ
weit vom Körper ab. Eine mächtige Schwanzflosse die
genau in der Mitte bis zur Hälfte eingebuchtet ist,
verhilft den Karpfen zu kraftvolle Fluchten. Oft
weisen die Flossen in der unteren Körperhälfte eine
roten Schimmer auf.
Betrachte man
den Karpfen einmal von vorne so fallen einen als
erstes die vier Barteln auf, wo bei die unteren
deutlich länger als die oberen sind. Auch das
rüsselartige Maul lassen schnell erkennen das es
sich um ein Friedfisch handelt, der seine Nahrung
überwiegend am Gewässergrund sucht. Abgesehen vom
Schuppenkarpfen kann die Färbung der Fische sehr
unterschiedlich sein. Der Rücken ist immer dunkler
gefärbt wie die Flanken, die Farbpalette reicht von
bläulich bis blaugrün oder auch fast schwarz. Die
Flanken sind von bräunlichsilbern bis hin zum
goldgelb. Der Bauch ist goldgelb bis weiß gefärbt.
Das Aussehen
der Fische wird durch den Lebensraum geprägt in den
sie Leben. Karpfen die in Moorteichen leben, sind in
der Regel dunkler, als Karpfen die im klarem Wasser
von Baggersee aufgewachsen sind. Der Mensch hat
nicht nur an der Form des Karpfens sondern auch an
deren Beschuppung züchterischen Einfluß genommen. So
weist nicht nur die Bedeckung mit Schuppen, sondern
auch die Größe der Einzelschuppen eine enorme
Vielfalt auf. Sollte der Fisch einmal eine oder
mehrere Schuppen verlieren so wachsen sie in der
Regel nach, doch sollten wir drauf achten, das wir
einen Fisch niemals dermaßen verletzen. Es werden
heute fünf genetische Hauptvariationen
klassifiziert.
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Der Wildkarpfen ist die
Urform der uns heute bekannten Karpfen. Von
ihn wurden alle weitere Arten durch
langjährige Kreuzungsversuche, erst durch
die Mönche später durch Fischwirte
gezüchtet. Verglichen mit den Zuchtformen
sieht der Wildkarpfen von Kopf bis Schwanz
wie ein echter Kämpfer aus. Sein Körperbau
erinnert eher an den einer Barbe als an ein
Karpfen. Sein Körper ist lückenlos
beschuppt. Nicht nur durch das äußere
Erscheinungsbild ist der Wildkarpfen von den
domestizierten Zuchtformen zu unterscheiden,
sondern weißt der Wildkarpfen einen höheren
Hämoglobin-, Zucker-, und Vitamin A-Spiegel
im Blut auf. Auch besitzt er ca. 20% mehr
rote Blutkörperchen in seinem Blutkreislauf.
Sehr wahrscheinlich ist das der Grund warum
er widerstandsfähiger gegen Krankheiten im
Vergleich zu den domestizierten Karpfen ist.
Sein Durchschnittgewicht liegt um die 7
Pfund und nur selten werden Fische gefangen
die schwerer als 10 Pfund sind. Berichten zu
Folge sollen schon „Wildkarpfen“ mit ein
Gewicht weit über 30Pfund gefangen worden
sein, doch handelt es sich hierbei sehr
wahrscheinlich um Schuppenkarpfen in
gestreckter Zuchtform (Fränkische-,
Lausitzer oder Böhmische). Um Gewissheit zu
haben müsste man einen Bluttest an den
Fischen vornehmen, was eine sehr aufwendige
Prozedur darstellt und nicht mal eben am
Wasser durchgeführt werden kann. Leider
finden wir immer weniger Gewässer in den
Wildkarpfen vorkommen, und die einst so
zahlreichen „echten Wildkarpfen“ werden
immer seltener. In den letzten Jahren wurde
eine massive Aufzucht der schneller
Abwachsenden Zuchtkarpfen praktiziert. Diese
Zuchtkarpfen haben sich dann mit den
Wildkarpfen gekreuzt, und dieses führte nun
dazu, dass es kaum noch Gewässer mit reiner
Wildkarpfenpopulation gibt. Heute bemühen
sich einige engagierte Angler und
Naturschützer die noch wenigen verbleibenden
Wildbestände dieser uralten Fischart zu
erhalten.
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Der Schuppenkarpfen ist
der am nächsten Verwandte des Wildkarpfens.
Alle anderen Karpfenarten die wir kennen,
stammen durch züchterische Maßnamen von ihm
ab. Wie auch der Wildkarpfen ist der Körper
des Schuppenkarpfens komplett mit Schuppen
bedeckt, dadurch ähnelt er im äußerem
Erscheinungsbild dem Wildkarpfen sehr. Er
hat die beste Wachstumsrate (d. h. er wächst
am schnellsten) von allen domestizierten
Karpfen, welches wissenschaftlich
nachgewiesen wurde. Auch ist er
widerstandsfähiger im Bezug auf Krankheiten
gegenüber den anderen Zuchtformen. Die
Körperform des Schuppenkarpfen kann sehr
unterschiedlich ausfallen, es gibt extrem
hochrückig (Aischgründer-, oder
Galizischer-,) Arten genau so, wie es
gestreckte Arten (Fränkischer-, o.Böhmischer
Karpfen) gibt.
Der
Spiegelkarpfen ist die erste Zuchtform die
von den Schuppenkarpfen abgeleitet wurde.
Sein Körper weist eine Schuppenreihe entlang
des Rückens auf, ansonsten ist er nur
sporadisch mit ein paar Schuppen bedeckt,
die sich hauptsächlich an den
Flossenansätzen befinden. Seine Körperform
ist in den meisten Fällen hochrückig, doch
findet man auch die gestreckte Form. Der
Spiegelkarpfen kann von allen gezüchteten
Karpfenarten das höchste Endgewicht
erreichen, welches auch wissenschaftlich
erwiesen wurde. Aus diesem Grunde ist er
wohl der am häufigsten besetzte Zuchtkarpfen
den wir in unseren Gewässern heute
vorfinden. Auch ist sein Stellenwert als
„Marktkarpfen“ nicht zu verachten. Alle
anderen Zuchtkarpfen werden eher selten als
Speisefisch angeboten.
Die reine Zuchtform des Zeilkarpfen weist nur eine einzelne Reihe
von Schuppen entlang der Seitenlinienorgane
auf. Diese Reihe kann im Einzelfall auch
verdoppelt auftreten, dann sind die Schuppen
jedoch etwas kleiner als wenn sie als
einzelne Schuppenreihe auftreten. Bei
geringsten Abweichungen dieses
charakteristischen Schuppenbild muß man
davon ausgehen, das es sich um eine andere
genetische Zuchtform handelt. Der
Zeilkarpfen wächst im Vergleich mit den
Schuppen-, oder Spiegelkarpfen nicht so gut
ab, auch erreicht er deren Maximalgewicht
bei weitem nicht.
Die
letzte uns bekannte Zuchtform ist der
Lederkarpfen, er besitzt im Idealfall keine
Schuppen, doch kann er entlang des Rückens
einige Schuppen aufweisen. Grundsätzlich
unterscheidet er sich vom Spiegelkarpfen
durch fehlen der Schuppen an den
Flossenansätzen, auch können Einzelschuppen
an beliebigen Körperstellen auftreten. Wie
der Zeilkarpfen wachsen Lederkarpfen
schlechter ab, welches in Verbindung mit der
geringeren Zahl an Schlundzähnen und
Kiemenbögen gebracht wird und erreichen
nicht deren Maximalgewichte. Auch sind
Leder-, und Zeilkarpfen anfälliger für
Krankheiten. An den Stellen wo die Karpfen
keinen Schutz durch ihre Schuppen erfahren,
ist die Haut lederartig verdickt.
Graskarpfen,
Silberkarpfen und Marmorkarpfen sind mit
den uns bekannten Zuchtformen nicht so nahe
verwandt, wie es der Name sagt. Es handelt
sich dabei um ostasiatische Pflanzenfresser,
die sich normalerweise bei uns nicht
natürlich fortpflanzen können. Sie wurden
erst in den letzten Jahrzehnten in Europa
eingeführt um bei der Teichwirtschaft die
Regulierung der Algen auf natürliche Weise
vorzunehmen
Koi’s
sind Farbmutationen der ursprünglichen
Karpfenarten. Sie entstanden ursprünglich
aus den langgestreckten und vollbeschuppten
Wildkarpfen. Durch späteres einkreuzen von
Leder-,Spiegel- und Zeilkarpfen wurden die
Beschuppungsformen dieser Fische in Japan
auch auf die Koi’s übertragen. In Japan wird
ein großer Kult um diesen Fisch betrieben,
doch in unseren Gewässer findet man ihn so
gut wie nie.
Durch langjährigen
Zuchtversuchen hat der Mensch einen extremen
Einfluß auf die Entwicklung des Karpfens
genommen. Von der damaligen Urform der
gerade mal 10 Pfund auf die Wage brachten,
sind heute genetische Mutationen entstanden,
die Gewichte bis 50 Pfund und mehr
erreichen. Mittlerweile ist der Mensch in
der Lage Gene zu kreuzen, welches er auch am
Karpfen ausprobiert hat. Die Folgen die
dadurch entstanden sind waren für die
Wissenschaftler alarmierend, welches durch
den Bericht „Gentech-Karpfen gefährden
gesamte Karpfenpopulation“ der 1999 in „Bild
der Wissenschaft“ veröffentlicht wurde.
Hier die Original Abschrift des Textes.


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